FortgeschrittenTor und Zugang

Tor-Relays: Guard, Middle und Exit erklärt

Welche Arten von Tor-Relays es gibt, was Guard, Middle und Exit Node jeweils sehen, wer sie betreibt und welche Risiken Exit-Betreiber tragen.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Tor-Netzwerk bestand im Oktober 2026 aus rund 8.900 Relays und 2.450 Bridges, betrieben von Freiwilligen.
  • Guard-Relays sind der Eingang, Middle-Relays das Mittelstück, Exit-Relays der Ausgang ins normale Internet.
  • Nur das Exit-Relay kennt die Zieladresse; nur das Guard-Relay kennt deine IP-Adresse.
  • Exit-Betreiber tragen das größte rechtliche Risiko, weil Beschwerden über Missbrauch bei ihnen landen.
Inhalt

Ein Tor-Relay ist ein Server, der Datenverkehr im Tor-Netzwerk weiterleitet. Jede Tor-Verbindung läuft über drei davon: ein Guard-Relay als Eingang, ein Middle-Relay in der Mitte und ein Exit-Relay als Ausgang ins normale Internet. Daneben gibt es Bridges, also nicht öffentlich gelistete Eingänge.

Die Relay-Typen im Überblick

TypPositionKennt deine IPKennt das ZielÖffentlich gelistet
Guard1. StationJaNeinJa
Middle2. StationNeinNeinJa
Exit3. StationNeinJaJa
Bridge1. Station (statt Guard)JaNeinNein

Im Oktober 2026 zählte Tor Metrics rund 8.900 Relays und rund 2.450 Bridges.

Guard-Relays: der Eingang

Das Guard-Relay ist das einzige Relay, mit dem sich dein Tor-Programm direkt verbindet. Es kennt deshalb deine IP-Adresse, sieht aber nur verschlüsselte Daten, die es an das nächste Relay weitergibt.

Ein Relay bekommt das Kennzeichen „Guard“ erst, wenn es sich als stabil und schnell erwiesen hat – das Tor Project nennt als Richtwert mindestens 2 MByte/s Bandbreite in beide Richtungen.

Warum Tor beim selben Guard bleibt: Dein Tor-Programm wählt nicht bei jeder Verbindung einen neuen Eingang, sondern bevorzugt über lange Zeit dieselben wenigen Guards. Würde es ständig wechseln, nutzte es mit der Zeit fast zwangsläufig irgendwann ein Relay, das ein Angreifer betreibt. Mit festen Guards ist das Risiko entweder von Anfang an da oder gar nicht – und nicht bei jedem Wechsel neu.

Middle-Relays: das Mittelstück

Das mittlere Relay verbindet Guard und Exit. Es kennt weder deine IP-Adresse noch dein Ziel. Seine Aufgabe ist, Guard und Exit voneinander zu trennen, damit kein einzelnes Relay beide Enden kennt.

Middle-Relays sind für Betreiber besonders unkompliziert: Es gibt kaum Beschwerden, der Wartungsaufwand ist gering, und die Bandbreite lässt sich begrenzen. Relays, die die Anforderungen an Guards noch nicht erfüllen, arbeiten als Middle-Relays.

Exit-Relays: der Ausgang

Das Exit-Relay entfernt die letzte Verschlüsselungsschicht und schickt deine Anfrage ins normale Internet. Die besuchte Website sieht die IP-Adresse des Exit-Relays.

Daraus ergeben sich zwei Besonderheiten:

  1. Was das Exit sehen kann: Das Exit kennt die Zieladresse. Ist die Verbindung zur Website nicht per HTTPS verschlüsselt, kann es auch den Inhalt sehen oder verändern. Deshalb ist HTTPS über Tor besonders wichtig. Bei Onion-Seiten gibt es kein Exit.
  2. Exit-Richtlinie: Jeder Exit-Betreiber legt fest, welche Verbindungen sein Relay erlaubt, zum Beispiel nur Webseiten (Ports 80 und 443). Tor wählt nur Exits, die die gewünschte Verbindung erlauben.

Risiko für Betreiber: Weil Missbrauch über Tor aus Sicht der Website von der IP-Adresse des Exits kommt, landen Beschwerden – etwa über Urheberrechtsverletzungen oder Angriffe – beim Exit-Betreiber und seinem Hoster. Das Tor Project rät deshalb davon ab, ein Exit-Relay vom eigenen Anschluss zu Hause zu betreiben. Besser geeignet sind Vereine, Universitäten oder spezialisierte Organisationen. Die Rechtslage in Deutschland erklärt Ein Tor-Relay betreiben: die Rechtslage.

Bridges: der versteckte Eingang

Bridges übernehmen die Rolle des Guards, stehen aber nicht in der öffentlichen Liste. So lassen sie sich schwerer sperren. Sie brauchen wenig Bandbreite – empfohlen ist mindestens 1 Mbit/s – und verursachen kaum Beschwerden. Mehr dazu: Tor-Bridges: obfs4, Snowflake und meek.

Kennzeichen und Regeln

Die Verzeichnisserver vergeben an jedes Relay Kennzeichen (Flags), die bestimmen, wofür es genutzt werden darf:

FlagBedeutung
GuardDarf als Eingangsrelay dienen
ExitErlaubt Verbindungen ins Internet
FastAusreichend Bandbreite; Relays ohne dieses Flag werden nicht genutzt
StableLange Laufzeit; Voraussetzung für bestimmte Onion-Dienst-Verbindungen
BadExitAls fehlerhaft oder bösartig erkannter Exit; wird gemieden

Bei der Pfadauswahl gilt zudem: Keine zwei Relays desselben Betreibers (derselben „Familie“) und keine zwei aus demselben IPv4-Netzbereich (/16) im selben Pfad.

Bösartige Relays

Jeder kann ein Relay betreiben – auch Angreifer. Das Netzwerk ist deshalb so gebaut, dass ein einzelnes bösartiges Relay wenig ausrichten kann. Gefährlich wird es, wenn ein Angreifer sehr viele Relays kontrolliert. Ein bekanntes Beispiel: Von Ende Januar bis Anfang Juli 2014 betrieb ein Angreifer rund 115 präparierte Relays, die etwa 6,4 Prozent der Guard-Kapazität stellten. Sie schleusten ein Markierungssignal in den Datenverkehr ein, um Betreiber und Besucher von Onion-Diensten zu enttarnen. Das Tor Project entfernte die Relays am 4. Juli 2014, schloss die Lücke per Update und stellte Tor-Clients später von drei auf einen Guard um, um solche Risiken zu verringern.

Das Tor Project und Freiwillige überwachen das Netzwerk laufend, kennzeichnen auffällige Exits als „BadExit“ und entfernen bösartige Relays. Wie solche Angriffe funktionieren, erklärt Wie Deanonymisierung funktioniert.

Häufige Fragen

Was ist ein Exit Node?

Das letzte Relay einer Tor-Verbindung zu einer normalen Website. Es schickt deine Anfrage ins Internet; die Website sieht seine IP-Adresse statt deiner.

Warum bleibt Tor immer beim selben Guard?

Würde Tor das Eingangsrelay ständig wechseln, stiege mit der Zeit die Wahrscheinlichkeit, irgendwann ein Relay eines Angreifers zu nutzen. Mit wenigen, lange genutzten Guards bleibt dieses Risiko begrenzt.

Kann ich selbst ein Relay betreiben?

Ja. Ein Middle- oder Guard-Relay verursacht kaum Beschwerden und ist gut für Einsteiger geeignet. Ein Exit-Relay sollte nicht vom eigenen Internetanschluss zu Hause aus betrieben werden.

Quellen

  1. Tor Project CommunityTypes of relays on the Tor network abgerufen am 20.10.2026
  2. Tor SpecificationsPath selection constraints abgerufen am 20.10.2026
  3. Tor SpecificationsCircuit Creation, Entry Guard Selection abgerufen am 20.10.2026
  4. Tor ProjectTor Metrics: Relays and bridges abgerufen am 20.10.2026
  5. Tor Project BlogTor security advisory: relay early traffic confirmation attack abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

Weiterlesen

  • Fortgeschritten

    Onion-Routing Schritt für Schritt erklärt

    Wie Onion-Routing technisch funktioniert: Schaltkreise, Schlüsselaustausch, Verschlüsselungsschichten, Pfadauswahl und die Grenzen des Verfahrens.

    5 Min. Lesezeit · Tor und Zugang

  • Experte

    Ein Tor-Relay betreiben: die Rechtslage

    Ist der Betrieb eines Tor-Relays legal? Haftungsprivileg nach § 8 DDG, Middle- und Exit-Relay im Vergleich, Durchsuchungen, Abmahnungen und Vorsorge.

    3 Min. Lesezeit · Recht und Gesetz

  • Fortgeschritten

    Tor-Bridges: obfs4, Snowflake und meek

    Was Tor-Bridges sind, wie obfs4, Snowflake, WebTunnel und meek funktionieren, wo du Bridges bekommst und wie du sie im Tor Browser einträgst.

    4 Min. Lesezeit · Tor und Zugang

  • Experte

    Wie Deanonymisierung funktioniert

    Wie Tor-Nutzer enttarnt werden: Verhaltensfehler, Browser-Exploits, Verkehrskorrelation, Sybil-Angriffe und übernommene Server – mit belegten Fällen.

    4 Min. Lesezeit · Sicherheit und Anonymität

  • Einsteiger

    Was ist Tor? Das Tor-Netzwerk erklärt

    Was ist Tor, wer steckt dahinter und wie schützt es deine Privatsphäre? Das Tor-Netzwerk und der Tor Browser einfach erklärt – mit aktuellen Zahlen.

    4 Min. Lesezeit · Tor und Zugang