FortgeschrittenSicherheit und Anonymität
JavaScript im Tor Browser: Risiken und Einstellungen
Warum JavaScript die größte Angriffsfläche im Tor Browser ist, welche Angriffe es gab und wie du es über die Sicherheitsstufen abschaltest.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- JavaScript ist im Tor Browser in der Stufe „Standard“ aktiv – aus Gründen der Bedienbarkeit.
- Mehrere bekannte Angriffe auf Tor-Nutzer (2013, 2016) liefen über JavaScript und trafen vor allem veraltete Browser.
- „Sicherer“ blockiert JavaScript auf Seiten ohne HTTPS, „Am sichersten“ auf allen Seiten.
- Einzelne Ausnahmen über NoScript machen dich unterscheidbar; nutze die vorgegebenen Stufen.
Inhalt
JavaScript ist die größte Angriffsfläche im Tor Browser. In der Stufe „Standard“ ist es aktiv, damit moderne Websites funktionieren. Wer unbekannte Seiten oder Onion-Dienste besucht oder ein hohes Risiko hat, sollte es über die Sicherheitsstufen einschränken: „Sicherer“ blockiert JavaScript auf Seiten ohne HTTPS, „Am sichersten“ überall.
Was JavaScript ist und warum es riskant ist
JavaScript ist eine Programmiersprache, die Websites in deinem Browser ausführen. Sie macht Menüs, Formulare und Web-Anwendungen interaktiv. Gleichzeitig bedeutet sie: Eine fremde Website lässt Programmcode auf deinem Rechner laufen. Daraus ergeben sich zwei Risiken:
- Sicherheitslücken: Ein Fehler in der JavaScript-Verarbeitung des Browsers kann es einer Website erlauben, Schadcode auszuführen.
- Wiedererkennung: JavaScript kann viele Eigenschaften deines Geräts abfragen und so zum Fingerprinting beitragen. Die EFF nennt das Abschalten von JavaScript als eine Maßnahme, die Trackern Daten entzieht – mit dem Nachteil, dass viele Seiten nicht mehr funktionieren.
Belegte Angriffe über JavaScript
| Jahr | Fall | Was geschah |
|---|---|---|
| 2013 | Freedom Hosting | Onion-Seiten lieferten Schadcode aus, der eine bereits behobene Firefox-Lücke nutzte und Daten über die Besucher an einen fremden Server sendete. Betroffen waren veraltete Tor-Browser-Versionen. |
| 2016 | Firefox-SVG-Lücke | Ein JavaScript-Exploit für eine Lücke in der SVG-Verarbeitung von Firefox, ähnlich aufgebaut wie der Angriff von 2013 |
In beiden Fällen wurde nicht das Tor-Netzwerk gebrochen, sondern der Browser. Die Stufe „Am sichersten“ hätte den Angriff von 2016 verhindert. Die Fälle zeigen aber auch: Wer seinen Browser aktuell hielt, war 2013 nicht betroffen, weil die Lücke bereits geschlossen war.
So steuerst du JavaScript
| Sicherheitsstufe | JavaScript |
|---|---|
| Standard | Auf allen Seiten aktiv |
| Sicherer | Auf Seiten ohne HTTPS deaktiviert; Onion-Seiten gelten als sicher verbunden |
| Am sichersten | Auf allen Seiten deaktiviert |
Du änderst die Stufe über das Schild-Symbol in der Symbolleiste; danach startet der Browser neu. Die vollständige Übersicht steht unter Die Sicherheitsstufen im Tor Browser.
Seit Tor Browser 15.0 wird auch WebAssembly – eine weitere Technik, mit der Websites Programmcode ausführen – über die Sicherheitsstufen gesteuert und ist bei „Sicherer“ und „Am sichersten“ auf normalen Websites blockiert.
Warum keine Ausnahmen für einzelne Seiten?
Im Tor Browser ist die Erweiterung NoScript eingebaut, die die Sicherheitsstufen technisch umsetzt. Über sie ließe sich JavaScript für einzelne Seiten erlauben. Davon ist abzuraten: Eine individuelle Liste erlaubter Seiten ist ein Merkmal, das dich von anderen Tor-Nutzern unterscheidet. Das Tor Project empfiehlt, bei den vorgegebenen Stufen zu bleiben, weil manuelle Änderungen den Fingerabdruck einzigartiger machen können.
Wenn eine Seite, die du wirklich brauchst, nur mit JavaScript funktioniert, ist es sauberer, für diesen Besuch vorübergehend die Stufe zu senken und sie danach wieder anzuheben.
Was ohne JavaScript nicht funktioniert
- Viele Anmeldungen, Captchas und Bezahlvorgänge,
- Web-Anwendungen wie Online-Office oder Webmail-Oberflächen,
- eingebettete Karten, Videos und Kommentarfunktionen,
- dynamisch nachgeladene Inhalte.
Einfache Nachrichtenseiten, Wikis und viele Onion-Foren funktionieren dagegen weiter.
Empfehlung
- Alltägliches Surfen auf bekannten Seiten: „Standard“ und ein stets aktueller Browser.
- Onion-Seiten und unbekannte Websites: „Sicherer“ oder „Am sichersten“.
- Hohes persönliches Risiko: „Am sichersten“ dauerhaft – zusammen mit Tails oder Whonix, die auch einen erfolgreichen Angriff daran hindern, deine echte IP-Adresse zu erfahren.
Häufige Fragen
Warum ist JavaScript im Tor Browser nicht standardmäßig abgeschaltet?
Weil sehr viele Websites ohne JavaScript nicht funktionieren. Würde Tor alles blockieren, würden viele Menschen den Tor Browser nicht nutzen. Wer höhere Sicherheit braucht, wählt eine höhere Sicherheitsstufe.
Funktionieren Onion-Seiten ohne JavaScript?
Viele ja. Einfache, statische Seiten und viele Foren funktionieren ohne JavaScript. Moderne Web-Anwendungen dagegen oft nicht.
Schützt das Abschalten von JavaScript vollständig?
Nein. Es verkleinert die Angriffsfläche stark, aber auch andere Teile des Browsers wie die Verarbeitung von Bildern oder Schriften können Sicherheitslücken enthalten. Updates bleiben unverzichtbar.
Quellen
- Tor Project SupportSecurity settings abgerufen am 20.10.2026
- LWN.netFirefox exploit used against Tor hidden service users (2013) abgerufen am 20.10.2026
- GBHackersTor users keep getting unmasked through the browser, not the onion routing abgerufen am 20.10.2026
- Tor Project BlogNew Release: Tor Browser 15.0 abgerufen am 20.10.2026
- Electronic Frontier FoundationCover Your Tracks: Learn abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026