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Wer nutzt das Darknet – und warum?

Journalisten, Aktivistinnen, Datenschutzbewusste, Sicherheitsforscher und Kriminelle: Wer das Darknet nutzt und aus welchen Gründen – mit Zahlen.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Täglich verbinden sich rund drei Millionen Menschen mit Tor, gut 300.000 davon aus Deutschland (Tor Metrics, Oktober 2026).
  • Die meisten Tor-Nutzer besuchen gar keine Onion-Seiten: Eine Studie schätzte den Anteil auf rund 6,7 Prozent an einem durchschnittlichen Tag.
  • Legitime Nutzer sind etwa Journalisten, Menschen in Zensurstaaten, Datenschutzbewusste, Sicherheitsforscher und Ermittler.
  • Kriminelle nutzen dieselbe Technik für Marktplätze und Datenhandel; der Umsatz von Darknet-Märkten lag 2025 bei rund 2,5 Milliarden US-Dollar.
Inhalt

Das Darknet nutzen sehr unterschiedliche Menschen: Journalistinnen und ihre Quellen, Menschen in Ländern mit Zensur, Datenschutzbewusste, Sicherheitsforscher und Ermittler – und Kriminelle. Die meisten Tor-Nutzer besuchen dabei gar keine Onion-Seiten, sondern surfen anonymer im normalen Web.

Wie viele Menschen das Darknet nutzen

Die Zahl der Onion-Seiten lässt sich kaum messen, die Nutzung von Tor dagegen schon. Das Tor Project zählt Verbindungen zu seinen Verzeichnisservern und schätzt daraus die Nutzerzahlen, ohne einzelne Personen zu erfassen. Im Oktober 2026 zeigte Tor Metrics:

LandDurchschnittliche direkte Nutzer pro TagAnteil
USArund 571.00017,9 %
Deutschlandrund 307.0009,6 %
Finnlandrund 200.0006,3 %
Brasilienrund 148.0004,6 %
Vereinigtes Königreichrund 138.0004,3 %

Insgesamt ergibt das rund drei Millionen direkte Nutzer pro Tag. Hinzu kommen Menschen, die sich über Bridges verbinden – vor allem in Ländern mit Zensur. Länderwerte schwanken teils stark, etwa wenn einzelne Programme oder Botnetze Tor nutzen.

Die meisten besuchen gar keine Onion-Seiten

Eine im Jahr 2020 in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie um Eric Jardine (Virginia Tech) untersuchte, wofür Tor genutzt wird. Ergebnis: An einem durchschnittlichen Tag riefen nur rund 6,7 Prozent der Tor-Nutzer weltweit Onion-Dienste auf. Der große Rest nutzte Tor, um ganz normale Websites zu besuchen.

Die Forscher schätzten außerdem, dass der Anteil wahrscheinlich krimineller Nutzung in freien Ländern höher lag als in unfreien. Das Tor Project kritisierte die Methode: Die Studie behandele Onion-Verkehr pauschal als verdächtig, obwohl auch Facebook und große Medien Onion-Dienste anbieten. Die Zahlen sind daher als grobe Schätzung zu verstehen.

Die legitimen Nutzer

Journalisten und ihre Quellen

Redaktionen betreiben Onion-Dienste wie SecureDrop, über die Informanten Dokumente übermitteln können, ohne ihre Identität oder ihren Standort preiszugeben. Journalistinnen recherchieren zudem selbst im Darknet, etwa zu Datenlecks oder Kriminalität. Mehr dazu im Artikel Das Darknet im Journalismus.

Menschen in Ländern mit Zensur

Wo Regierungen Nachrichtenseiten, soziale Netzwerke oder Messenger sperren, ermöglicht Tor den Zugang zu freien Informationen. Medien wie die New York Times, ProPublica, die Deutsche Welle und die taz bieten dafür eigene Onion-Adressen an. Das BSI hebt ausdrücklich hervor, dass die Technik Journalisten, Verfolgten und Oppositionellen hilft, Zensur zu umgehen. Siehe Darknet und Zensur.

Datenschutzbewusste im Alltag

Viele Menschen nutzen Tor, damit Werbenetzwerke, Datenhändler oder der eigene Internetanbieter ihr Surfverhalten nicht nachverfolgen können. Dazu gehören zum Beispiel Menschen, die sich zu Krankheiten, Schulden oder persönlichen Krisen informieren und diese Suche nicht mit ihrer Identität verknüpft wissen wollen.

Whistleblower

Wer Missstände in Unternehmen oder Behörden melden will, riskiert berufliche und persönliche Nachteile. Anonyme Meldewege über Onion-Dienste schützen Hinweisgeber. Mehr dazu unter Whistleblower und das Darknet.

Sicherheitsforscher und Unternehmen

IT-Sicherheitsteams beobachten das Darknet, um früh zu erkennen, ob Zugangsdaten, Kundendaten oder Angriffswerkzeuge gegen ihr Unternehmen gehandelt werden. Siehe Was das Darknet für Unternehmen bedeutet.

Ermittlungsbehörden

Polizei und Staatsanwaltschaften ermitteln im Darknet, beobachten Marktplätze und übernehmen sie teilweise verdeckt. Die großen Zerschlagungen der vergangenen Jahre – etwa von Wall Street Market, Hydra oder Archetyp Market – gehen auf solche Ermittlungen zurück.

Die kriminelle Nutzung

Dieselbe Anonymität nutzen auch Kriminelle. Typische kriminelle Angebote im Darknet sind:

  • Marktplätze für Betäubungsmittel, gefälschte Dokumente und gestohlene Daten,
  • Foren für den Austausch über Cyberangriffe,
  • Erpresserseiten von Ransomware-Gruppen, auf denen gestohlene Firmendaten veröffentlicht werden,
  • Betrugsangebote, die sich gezielt an andere Darknet-Nutzer richten.

Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis schätzt, dass Darknet-Märkte und Drogenhändler 2025 Kryptozahlungen von gut 2,5 Milliarden US-Dollar erhielten – etwas mehr als im Vorjahr. Wie diese Märkte funktionieren, erklärt der Bereich Darknet-Märkte.

Warum beide Seiten dieselbe Technik brauchen

Anonymität funktioniert nur in der Menge. Wenn nur wenige, besonders schutzbedürftige Menschen Tor nutzen würden, fielen sie gerade dadurch auf. Je mehr gewöhnliche Menschen das Netzwerk verwenden, desto besser sind alle geschützt – die Journalistin ebenso wie der Datenschutzbewusste. Dass auch Kriminelle davon profitieren, ist die bekannte Kehrseite. Diese Abwägung prägt die gesellschaftliche Debatte über das Darknet bis heute.

Häufige Fragen

Nutzen vor allem Kriminelle das Darknet?

Nein. Die meisten Tor-Nutzer verwenden das Netzwerk, um normale Websites anonymer zu besuchen. Kriminelle Angebote sind unter den Onion-Seiten zwar verbreitet, machen aber nur einen kleinen Teil der gesamten Tor-Nutzung aus.

Wie viele Deutsche nutzen Tor?

Laut Tor Metrics verbinden sich im Durchschnitt gut 300.000 Nutzer pro Tag aus Deutschland direkt mit Tor (Abruf Oktober 2026). Deutschland liegt damit auf Platz zwei hinter den USA.

Nutzen auch Behörden das Darknet?

Ja. Ermittlungsbehörden recherchieren im Darknet, und manche Behörden und Medien betreiben eigene Onion-Dienste, etwa um vertrauliche Hinweise zu empfangen.

Quellen

  1. Tor ProjectTor Metrics: Top-10 countries by directly connecting users abgerufen am 20.10.2026
  2. ScienceAlertOnly a small fraction of the dark web is being used for hidden activity, study finds (zu Jardine et al., PNAS 2020) abgerufen am 20.10.2026
  3. ChainalysisDrugs and Darknet Markets: 2026 Crypto Crime Report abgerufen am 20.10.2026
  4. Freedom of the Press FoundationOnions on the side: Tracking Tor availability and reader privacy on major news sites abgerufen am 20.10.2026
  5. teltarif.deDie verborgene Seite (Bericht zu Darknet-Hinweisen des BSI) abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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