FortgeschrittenKryptowährungen
Ransomware-Zahlungen in Kryptowährung
Wie viel Lösegeld Ransomware-Gruppen in Kryptowährung erhalten, warum immer weniger Opfer zahlen, wie Ermittler Zahlungen zurückholen und was rechtlich gilt.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Ransomware-Gruppen erhielten 2025 laut Chainalysis mindestens rund 820 Millionen US-Dollar in Kryptowährung; der Wert dürfte auf etwa 900 Millionen steigen.
- Nur noch 28 Prozent der Opfer zahlten 2025 – ein Rekordtief –, während die Zahl der Angriffe um rund die Hälfte stieg.
- In Deutschland registrierte das BKA 2025 1.041 Ransomware-Angriffe; gemeldete Lösegeldzahlungen lagen bei rund 15,5 Millionen US-Dollar.
- Ermittler können Zahlungen teils zurückholen – etwa einen Großteil des Lösegelds von Colonial Pipeline 2021.
Inhalt
Ransomware-Gruppen verschlüsseln oder stehlen Daten von Unternehmen und Behörden und verlangen Lösegeld – fast immer in Kryptowährung. Laut Chainalysis flossen 2025 mindestens rund 820 Millionen US-Dollar an solche Gruppen; der Wert dürfte nach weiteren Auswertungen auf etwa 900 Millionen steigen. Das Bemerkenswerte: Die Zahl der Angriffe stieg deutlich, doch immer weniger Opfer zahlen.
Die Entwicklung in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Ransomware-Zahlungen 2025 | mind. rund 820 Mio. US-Dollar, voraussichtlich bis rund 900 Mio. | Chainalysis |
| Anteil zahlender Opfer 2025 | 28 % (Rekordtief) | Chainalysis |
| Anteil zahlender Opfer 2024 | 62,8 % | Chainalysis |
| Anteil zahlender Opfer 2022 | 78,9 % | Chainalysis |
| Veränderung der Zahl gemeldeter Angriffe 2025 | rund +50 % | Chainalysis |
| Medianzahlung 2025 | 59.556 US-Dollar (2024: 12.738) | Chainalysis |
| Ransomware-Angriffe in Deutschland 2025 | 1.041 (+10 %) | BKA |
| Gemeldete Lösegeldzahlungen in Deutschland 2025 | rund 15,5 Mio. US-Dollar | BKA |
Die Zahlen zeigen einen Wandel: Viele Opfer zahlen nicht mehr, weil sie bessere Backups haben, weil Behörden abraten und weil Zahlungen keine Sicherheit bieten. Diejenigen, die zahlen, zahlen aber im Mittel deutlich mehr.
Wie Ransomware-Zahlungen ablaufen
- Angriff: Täter dringen ein, oft über gestohlene Zugangsdaten oder gekaufte Netzwerkzugänge.
- Verschlüsselung und Datendiebstahl: Viele Gruppen kopieren Daten, bevor sie verschlüsseln („doppelte Erpressung“).
- Forderung: Auf einer Verhandlungsseite im Tor-Netzwerk wird ein Betrag in Kryptowährung genannt.
- Leak-Seite: Wer nicht zahlt, wird auf einer Onion-Seite der Gruppe öffentlich genannt.
- Geldwäsche: Eingegangene Zahlungen werden über Tauschdienste, Mixer und Börsen verschoben.
Wie Ransomware-Gruppen organisiert sind, erklärt Ransomware-Gruppen erklärt.
Ermittler holen Geld zurück
Weil Bitcoin-Zahlungen öffentlich sind, können Ermittler den Weg des Lösegelds verfolgen:
- Colonial Pipeline (2021): Nach dem Angriff auf den US-Pipelinebetreiber zahlte das Unternehmen Lösegeld in Bitcoin. Das US-Justizministerium stellte wenige Wochen später einen Großteil davon sicher, rund 63,7 Bitcoin.
- Abschaltung von Geldwäschediensten: Dienste wie ChipMixer und eXch, über die auch Erlöse aus Ransomware liefen, wurden von deutschen Behörden abgeschaltet. Siehe Coin-Mixer und die Rechtslage.
- Operationen gegen Gruppen: Internationale Aktionen wie gegen LockBit legten Infrastruktur, Schlüssel und Zahlungsdaten offen. Mehr dazu: LockBit und Operation Cronos.
Der Angriff auf Colonial Pipeline hatte auch Folgen in der Szene: Kurz danach verbannten große russischsprachige Cybercrime-Foren Werbung für Ransomware – nach Einschätzung von Analysten vor allem, um Aufmerksamkeit von Ermittlern zu vermeiden.
Zahlen oder nicht?
BKA und BSI raten von Zahlungen ab. Gründe:
- Zahlungen finanzieren weitere Angriffe.
- Es gibt keine Garantie, dass die Entschlüsselung funktioniert oder gestohlene Daten gelöscht werden.
- Wer einmal zahlt, gilt als lohnendes Ziel für erneute Angriffe.
- Zahlungen an sanktionierte Gruppen sind verboten.
Betroffene Unternehmen sollten sofort die Polizei einschalten – die Zentralen Ansprechstellen Cybercrime der Länder sind dafür zuständig – und Fachleute für die Aufarbeitung hinzuziehen. Wie sich Unternehmen vorbereiten, beschreibt Darknet-Monitoring für Unternehmen.
Häufige Fragen
Ist es in Deutschland erlaubt, Lösegeld zu zahlen?
Ein generelles Verbot gibt es nicht. Verboten sind Zahlungen an sanktionierte Personen oder Gruppen. Behörden wie BKA und BSI raten dringend davon ab zu zahlen, weil es die Täter finanziert und keine Garantie für die Entschlüsselung bietet. Betroffene sollten Polizei und Fachleute einbeziehen.
Warum wird Lösegeld in Kryptowährung verlangt?
Weil Kryptozahlungen international, schnell und ohne Bank möglich sind. Viele Gruppen verlangen Bitcoin, manche bevorzugen Monero. Durch Blockchain-Analyse lassen sich Bitcoin-Zahlungen aber verfolgen.
Bekommt man nach der Zahlung seine Daten zurück?
Nicht sicher. Entschlüsselungsprogramme funktionieren oft schlecht, und gestohlene Daten können trotzdem veröffentlicht oder weiterverkauft werden.
Quellen
- BleepingComputer (zu Chainalysis)Ransomware payment rate drops to record low despite attack surge abgerufen am 20.10.2026
- BundesregierungBundeslagebild Cybercrime 2025: Internetkriminalität auf hohem Niveau abgerufen am 20.10.2026
- The DefiantRansomware Payments Topped $800 Million in 2025: Chainalysis abgerufen am 20.10.2026
- The RecordPopular hacking forum bans ransomware ads abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026